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  • Mastjahre - Wechselwirkungen in der Natur

    © VIER PFOTEN

    Fast alle Arten von Nagetieren, ganz besonders aber Wühlmausarten, tendieren zu zyklischen Bestandsentwicklungen in Abhängigkeit vom Nahrungsangebot.

    Bei Waldbewohnern, wie Waldmäusen oder Rötelmäusen, sind es "Mastjahre" bei Rotbuche, Eiche oder auch Koniferen, bei Feldmäusen bestimmte Fruchtfolgen (z.B. Kleeäcker) und grundsätzlich die Form der Bewirtschaftung, die zu einem Ansteigen der Population führen.

    Beutegreifer reagieren auf die Populationszunahme

    Arten, die großräumig mobil sind, reagieren mit Zuwanderung. Das konnte man z.B. sehr gut im Sommer 2019 im nördlichen Weinviertel/Niederösterreich beobachten. Dort kam es in diesem Jahr zu einer explosionsartigen Vermehrung von Feldmäusen und gleichzeitig zu einem Zuzug von über 100 Brutpaaren der Sumpfohreule. Diese Eulenart brütet sonst nur sporadisch in Österreich.

    Gleichzeitig zur Zuwanderung kommt es zu vermehrtem Nachwuchs aller heimischer Mäuse fressenden Arten. Greifvögel und Eulen (z.B. Turmfalken, Waldohreulen, Schleiereulen) ziehen mehr Junge auf als in „normalen“ Jahren oder brüten sogar mehrmals in einem Jahr.

    Sehr effektive Freß-Feinde für Wühlmäuse sind außerdem alle Wieselarten, aber auch andere Marderverwandten wie Iltisse, Stein- und Edelmarder, ebenso wie Füchse.

    Mauswiesel können auch in die Bauten der Mäuse eindringen und daher auch die Reproduktion maßgeblich beeinflussen.

    Der Mensch stört diese Regulative nachhaltig

    Leider werden all diese Säugerarten aus rein jagdlichen Gründen radikal verfolgt und getötet, in vielen österreichischen Bundesländern sogar ohne jede Schonzeit!

    Steppen- und Waldiltisse sind in manchen Bezirken in Niederösterreich fast ausgelöscht, Wiesel sehr selten geworden. Trotz sehr guter Dokumentationen von Biobauern mit heftiger Kritik an jagdlichen Strategien beharren die Jäger auf dieser Tradition.

    Gift ist keine Lösung

    Treten dann Schäden im Getreideanbau auf, kommen Gifte zum Einsatz - leider mit nachhaltigen Nebeneffekten: Es werden nicht nur Mäuse getötet, sondern durch sogenannte Sekundärvergiftung auch Tiere, die sich von den vergifteten Mäusen ernähren.

    Mausbestände erholen sich von solchen Vergiftungsaktionen viel schneller als ihre Freß-Feinde, da sie, im Gegensatz zu den jagenden Arten ganzjährig mit großen Jungenzahlen reproduzieren.

    Unterstützung für Mäuse-Fressende-Arten

    Viele Biobauern bestücken ihre Äcker mit Sitzwarten für Greifvögel. Diese Sitzstangen bieten gute Aussichtswarten, von denen aus Beutegreifer gut jagen können.

    Da Eulen und Falken keine eigenen Nester bauen können, sind sie auf die Nester anderer Vögel angewiesen, um dort ihre Jungen aufzuziehen. Besonders Krähen- und Elsternnester sind daher sehr wichtig für das Überleben von Waldohreulen und Turmfalken.

    Eine Bekämpfung von Krähenvögeln, die leider in vielen Regionen schonungslos durchgeführt wird, ist also kontraproduktiv und sollte unbedingt vermieden werden.