• Erste Hilfe für Wildtiere
  • Spenden
  • Patenschaft
  • Verwaiste junge Fischotter gerettet >
    < Jetzt Online Spenden!

    Mäuseplage in Niederösterreich

    12.08.2019
    Fast alle Nagetierenarten, ganz besonders aber Wühlmäuse, tendierten zu zyklischen Bestandsentwicklungen in Abhängigkeit zum Nahrungsangebot. Fallen Freßfeinde weg, wird es problematisch.

    © VIER PFOTEN

    Fast alle Arten von Nagetieren, ganz besonders aber Wühlmausarten, tendierten zu zyklischen Bestandsentwicklungen in Abhängigkeit zum Nahrungsangebot.

    Bei Waldbewohnern, wie Waldmäusen oder Rötelmäusen sind es "Mastjahre" bei Rotbuche, Eiche oder auch Koniferen, bei Feldmäusen bestimmte Fruchtfolgen (z.B. Kleeäcker) und grundsätzlich die Form der Bewirtschaftung. Tiefes Ackern vernichtet Mauspopulationen fast vollständig und ist daher im Bioanbau das Mittel der Wahl zur Bekämpfung von Wühlmäusen.

    Regionen im nördlichen Weiviertel waren heuer besonders betroffen. Alle Beutegreifer für Nager, und das sind sehr viele Tierarten, reagierten mit Zuwanderung, soweit es großräumig mobile Arten betrifft.

    Als Beispiel sei eine am Boden brütende Art erwähnt, die Sumpfohreule, die sonst in Österreich nur sehr sporadisch als Brutvogel in Erscheinung tritt. 2019 wurden im nördlichen Weinviertel plötzlich über 100(!) Brutpaare registriert mit extrem guter Reproduktion, wobei Landwirte meist sehr kooperativ waren, um die Gelege oder Jungtiere zu schonen. Wir übernahmen heuer auch auffallend viele Jungtiere von anderen Eulenarten (z.B. Waldohreulen) oder Turmfalken,

    Sehr effektive Freßfeinde für Wühlmäuse sind unsere Wieselarten, aber auch andere Marderverwandten wie Iltisse und Stein- und Edelmarder, ebenso wie Füchse.

    Mauswiesel können auch in die Bauten der Mäuse eindringen und daher auch die Reproduktion maßgeblich beeinflussen. Leider werden all diese Arten aus rein jagdlichen Gründen radikal vernichtet und zwar ohne jede Schonzeit!

    Steppen- und Waldiltisse sind in manchen Bezirken in Niederösterreich fast ausgelöscht, Wiesel sehr selten geworden. Trotz sehr guter Dokumentationen von Biobauern mit heftiger Kritik an jagdlichen Strategien beharrt die Jagd auf dieser Tradition!

    Treten Schäden dann sogar im Getreideanbau auf, kommen Gifte zum Einsatz, mit nachhaltigen Sekundäreffekten. So werden nicht nur Mäuse vernichtet, sondern diverse "Helfer" mit dem Effekt, dass Mäusebestände sich viel schneller von solchen Verlusten erholen, da sie ganzjährig mit großen Jungenzahlen reproduzieren, im Gegensatz zu den jagenden Arten.

    Dazu kommt noch ein weiterer jagdlicher Einfluss auf Falken und Waldohreulen durch gezielte Bekämpfung von Krähen und Elstern. Weder Eulen noch Falken bauen nämlich Nester und besiedeln deshalb alte Nester der erwähnten Arten. Werden diese in Revieren nicht geduldet, fehlen dort auch Eulen und Falken als Brutvögel.

    Das Problem ist, dass die Jägerschaft speziell in Niederösterreich außerordentlich stark politisch verankert ist, und daher Naturschutz und Biobauern effektiv wenig Chancen haben.