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    < Eulen sind keine Streicheltiere!

    Mäusemastjahr führt zu mehr Jungtieren bei Beutegreifern

    11.09.2019
    Ungewöhnlich spät gibt es heuer bei einigen Wildtieren noch Jungtiere. Das liegt an der sehr hohen Mäusepopulation, denn viele Arten haben ihre Jungenanzahl an das gute Futterangebot angepasst.

    Die kleine Waldohreule nach ihrer Rettung. © VIER PFOTEN

    Sie erholt sich jetzt in einer schönen Voliere. © VIER PFOTEN

    Ungewöhnlich spät gibt es in diesem Jahr bei einigen Wildtieren noch Jungtiere. So auch die völlig durchnässte und erschöpfte Waldohreule, die vorige Woche in Velm-Götzendorf im Bezirk Gänserndorf in einem Garten gefunden wurde.

    Der Haushund hatte die Bewohner auf die kleine Eule aufmerksam gemacht und Nachbarn brachten sie zur Versorgung in unsere Station.

    Die junge Waldohreule wird vermutlich bei uns bleiben, denn sie hat einen Federdefekt. Wir vermuten eine genetische Störung. Das Schöne ist aber, dass sie als Amme für andere Jungeulen eine ganz wichtige Funktion haben wird. Wir sind die einzige Pflegestation, in der Jungvogelfindlinge durch Ammen derselben Vogelart, also in einem natürlichen Familienverband, großgezogen werden können. Dadurch werden die schädlichen Folgen einer Handaufzucht vermieden, und die Tiere können nach ihrer Genesung zu 90 Prozent wieder in die Natur gelassen werden.

    Die Tatsache, dass es noch jetzt Jungtiere gibt, liegt an der sehr hohen Mäusepopulation im nördlichen Weinviertel. Viele mäusefressende Arten haben ihre Jungenanzahl an das gute Futterangebot angepasst. Die junge Eule stammt vermutlich aus einem Zweitgelege, d.h. ihre Eltern ziehen heuer schon zum zweiten Mal Junge auf.

    Alle Beutegreifer für Nager, sofern sie mobil sind, reagierten mit Zuwanderung. Als Beispiel sei eine am Boden brütende Art erwähnt, die Sumpfohreule, die sonst in Österreich nur sehr sporadisch als Brutvogel in Erscheinung tritt.  2019 wurden im nördlichen Weinviertel plötzlich über 100 (!) Brutpaare registriert mit extrem guter Reproduktion. Die Landwirte waren auch meist sehr kooperativ, um die Gelege oder Jungtiere zu schonen.

    Wir übernahmen heuer auch auffallend viele Jungtiere von anderen Eulenarten, wie eben Waldohreulen, oder Turmfalken.

     

    Natürliche Feinde der Mäuse werden unnötig verfolgt

    Sehr effektive Fressfeinde für Wühlmäuse sind übrigens alle unsere Wieselarten, aber auch andere Marderverwandten wie Iltisse und Stein- und Edelmarder, ebenso wie Füchse.

    Mauswiesel können auch in die Bauten der Mäuse eindringen und daher auch die Reproduktion maßgeblich beeinflussen. Leider werden all diese Arten aus rein jagdlichen Gründen radikal verfolgt und getötet, und zwar ohne jede Schonzeit.

    Steppen- und Waldiltisse sind in manchen Bezirken in Niederösterreich fast ausgelöscht, Wiesel sehr selten geworden. Trotz sehr guter Dokumentationen von Biobauern, die herkömmliche jagdliche Strategien heftig kritisieren, beharrt die Jagdwirtschaft leider auf dieser Tradition.

    Treten Schäden durch zu große Mäusepopulationen dann sogar im Getreideanbau auf, werden oft Gifte eingesetzt, die jedoch nachhaltige Sekundäreffekte haben. Es werden damit nicht nur Mäuse vernichtet, sondern auch die diversen Beutegreifer.

    Das Problem ist allerdings, dass Mäusebestände sich viel schneller von solchen Verlusten erholen als die jagenden Arten, da sie ganzjährig mit großen Jungenzahlen reproduzieren.