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  • Der Vogelzug

    Rotkehlchen sind typische Kurzstreckenzieher. © VIER PFOTEN
    Weißstörche ziehen in Gruppen. © VIER PFOTEN

    Wespenbussarde verbringen den Winter im südlichen Afrika. © Jozef Mihok
     

    Wildtiere haben verschieden Strategien, um die Winterzeit in Mittel- und Nordeuropa und anderen nördlichen Regionen unserer Welt zu überleben.

    Einige, wie z.B. Reptilien, Amphibien, die meisten Insekten, aber auch Säugetiere wie Igel oder Siebenschläfer, begeben sich in der kalten Jahreszeit in den Winterschlaf.

    Manche Tiere, wie z.B. Eichhörnchen, Eichel- und Tannenhäher legen Vorräte an, um genügend Nahrungsreserven zu haben.

    Anderer stellen ihre Nahrung um und ernähren sich im Winter anstatt von Insekten hauptsächlich von pflanzlichen Nahrungsmitteln, wie z.B. Meisen.

    Eine besonders aufwendige Strategie verfolgen Zugvögel  

    Sie fliegen teils sehr weite Strecken, um das Nahrungsangebot in südlicheren Regionen zu nutzen.

    Dabei unterteilt man die Vögel in Lang-, Kurz- und Mittelstreckenzieher.

    Kurzstreckenzieher sind Vögel, die innerhalb Europas ziehen. Z.B. von Mitteleuropa in die Mittelmeergegend, wie die Ringeltaube oder von Nord- nach Mitteleuropa, wie das Rotkehlchen.

    Kurzstreckenzieher sind häufig auch sogenannte „Teilzieher“: Das heißt nicht die gesamte Population zieht weg und der Abzug der Vögel hängt von den klimatischen Bedingungen ab. Manche dieser Vögel haben ihr Zugverhalten überhaupt aufgegeben, weil sie neue Nahrungsquellen im Winter für sich entdeckt haben. In vielen deutschen Großstädten überwintern z.B. Ringeltauben und viele kleine Singvögel haben gelernt Futterhäuschen für ihre Ernährung zu nutzen.

    Langstreckenzieher haben einen viel weiteren Weg zu überwinden: Sie überqueren Meere, Wüsten und Gebirge, um zu ihrem Ziel zu gelangen. Europäische Langstreckenzieher überwintern zum Großteil im südlichen Afrika. Prominente Beispiele solcher Zugvögel sind z.B. Störche oder Mauersegler.

    Mittelstreckenzieher sind z.B. verschiedene Drosselarten: Ihre Flugstrecke liegt zwischen der von Lang- und Kurzstreckenziehern und für ihr Zugverhalten sind viele Pausen charakteristisch.

    Den Streckenrekord eines nonstop Fluges hält übrigens eine Pfuhlschnepfe, die in neun Tagen von Alaska über den gesamten Pazifik nach Neuseeland flog. Das waren 12.000 km in 224 Stunden ohne Pause!

    Der Vogelzug erfordert viel Energie

    Da die langen Flugstrecken sehr anstrengend für die Vögel sind, fressen sie sich vor dem Zugbeginn eine Fettschicht an, von der sie zehren können. Viele Vögel sammeln sich auch an geeigneten Rastplätzen, um dort auszuruhen und Nahrung zu sich zu nehmen. Ein wichtiger Rastplatz, vor allem für Wasservögel, ist z.B. das Gebiet des Neusiedlersees in Österreich.

    Zum Energiesparen bilden viele Vögel während des Fluges V-förmige Zugformationen, wie man das besonders gut bei Gänsen oder Kranichen sehen kann.

    Wie orientieren sich Zugvögel?

    Um die richtige Route ins Winterquartier zu finden, orientieren sich Vögel am Stand der Sonne, am Sternenhimmel, an bestimmten Landmarken und auch am Magnetfeld der Erde.

    Viele Vögel ziehen in der Nacht, weshalb die Lichtverschmutzung unserer Städte sie leider von ihren Zugrouten abbringen kann. Das ist aber nicht die einzige Gefahr, der die Vögel auf ihrem Flug ausgesetzt sind.

    Welche Gefahren lauern auf die Zugvögel?

    Neben natürlichen Todesursachen, wie Hunger, Schwäche oder Tod durch Beutegreifer, gibt es auch viele von Menschen gemachte Gefahren. Allen voran die legale und illegale Bejagung von Zugvögeln.

    In vielen Ländern werden Singvögel mit Fallen, teils mit hunderte Meter langen Netzen gefangen oder größerer Vögel, wie Greifvögel oder Störche, abgeschossen. Besondere Hotspots liegen dabei in verschiedenen Mittelmeerregionen, aber auch in Ländern wie Österreich dürfen Zugvögel bejagt werden. So wurden laut Statistik Austria in der Jagdsaison 2019/20 über 2200 Schnepfen, über 1500 Wildgänse und fast 15.000 Wildtauben, darunter auch die sehr seltene Turteltaube, legal geschossen.

    Woher wissen wir so viel über den Vogelzug?

    Durch die wissenschaftliche Vogelberingung und andere Markierungsmethoden, aber auch durch Besenderung von einzelnen Vogelindividuen, konnten viele Informationen über den Vogelzug gewonnen werden.

    Das ist vor allem deshalb wichtig, um Vögel auch in ihren Winterquartieren und entlang der Zugstrecken ausreichend schützen zu können, z.B. durch Errichtung von Nationalparks oder ähnlicher Schutzgebiete.