Fütterung Singvögel

Amsel © EGS
Kohlmeise © EGS / Stefan Knöpfer

Warum füttern
Durch starke Veränderungen unserer Umwelt ist es für viele Singvögel schwierig geworden ausreichend Futter für ihr Überleben im Winter und die Aufzucht ihrer Jungen im Frühling und Sommer zu finden.
Aufgeräumte, von jedem Unkraut befreite Gärten, viele verbaute oder asphaltierte Flächen, große Monokulturen und der großräumige Einsatz von Insektiziden in der Landwirtschaft, aber auch in Privathaushalten, entzieht vielen Singvögeln ihre Nahrungsgrundlage.
Richtiges Füttern ist eine große Hilfe für  unsere gefiederten Freunde  und kann uns zu wunderschönen Erlebnissen direkt vor unserem Wohnzimmerfenster verhelfen.

Wann füttern

Neueste Untersuchungen zeigen, dass die Fütterung unserer Singvögel nicht nur im Winter sondern auch in den Sommermonaten sinnvoll ist.
Bei richtiger ganzjähriger Fütterung haben Singvögel größerer Gelege und es gelingt ihnen mehr Jungtiere erfolgreich aufzuziehen.
Entscheidend ist dabei eine vielseitige Fütterung, die nicht eine Vogelart bevorzugt.

Aber auch die beste Fütterung kann nur ein Ersatz für die Natur sein. Daher ist es auch sehr wichtig einen möglichst naturnahen Garten anzulegen und zu pflegen, in dem Insekten, Blattläuse, Spinnen, Schnecken, Würmer und andere Wirbellose sich wohl fühlen und von den eifrigen Vogeleltern gesammelt und an ihre Brut verfüttert werden können.

Wie füttern
Am besten eigenen sich spezielle Futtersilos, an denen die Vögel das Futter nicht direkt verschmutzen. Dadurch wird die Ausbreitung ansteckender Vogelkrankheiten unterbunden. Futtertische, vor allem aber überdachte Futterhäuschen sind zwar hübsch anzusehen, gefährden aber die Gesundheit unserer gefiederten Freunde.
Vögel, die ihre Nahrung am Boden suchen, z.B. Amseln, Rotkehlchen, oder Zaunkönige sollten unter Sträuchern gefüttert werden. Gibt es kein Buschwerk oder Hecken kann man mithilfe von abgeschnittenen Nadelbaumzweigen im Winter schneefreie Stellen schaffen.

Was füttern
Sehr wichtig ist auch das geeignete Futter.
Insektenfresser, wie z.B. Amsel, Drosseln, Rotkehlchen, Zaunkönig oder Stare brauchen so genanntes „Winterweichfutter“, bestehend aus Insekten- und Garnelenschrot und angefetteten Haferflocken. Dieses Futter kann man auch selbst zusammenstellen, indem man die Zutaten (getrocknete Krebschen, Garnelen, Insekten) ungemischt in spezialisierten Tierhandlungen kauft.

Körnerfresser füttert man am besten mit fertigen Körnermischungen für Wildvögel (für größere Vögel) und Samenmischungen für Kanarienvögel (für kleine Gartenvögel). Auch diese Mischungen können selbst zusammengestellt werden, indem Samen und Körner (z.B. Mais, Gerste, Weizenkörner, Haferflocken, Hanfsamen, Nigersaat, Hirsesamen, Sonnenblumenkerne) ungemischt gekauft und mit im Garten gesammelten und getrockneten Wildsamen (z.B. Ampfer, Distel, Brennnessel, Löwenzahn) angereichert werden.

Meisen fressen gerne frische, halbierte, mit der angeschnittenen Seite nach unten aufgehängte Kokosnüsse und auch frische Erdnüsse guter Qualität, die mit der Schale auf einen dünnen Draht oder Faden aufgefädelt werden. Für kleinere Vögel sollte man die Nüsse (auch Wal- oder Haselnüsse) zerkleinern oder reiben, für Grünfinken z. B. geschält und ungesalzen in ein Netz einfüllen.

Meisen und auch anderen kleinen Singvögeln kann man kalorienreiches Futter in Form von Meisenknödeln, Talgrollen oder Futterhölzern anbieten, die entweder gekauft oder auch selbst hergestellt werden können.
Trockenfrüchte (Rosinen, Marillen, Zwetschken, etc.) können einer selbst zusammengestellten Futtermasse beigemengt oder direkt angeboten werden, man muss sie nur vorher in Wasser einweichen.
    
Fallobst stellt für alle Drosselvögel und auch Meisen einen geschätzten Leckerbissen dar. Man kann es entweder ganz oder geschnitten anbieten.

Was darf nicht gefüttert werden
Niemals dürfen gesalzene Speisen oder Küchenabfälle verfüttert werden. Salz ist schädlich für die Vogelniere, Speckschwarten verkleben die Federn. Brot verdirbt schnell, wenn es länger liegen bleibt und Frittierfett ist durch das starke Erhitzen gesundheitsschädlich.

Wasser auch  im Winter
Was man niemals vergessen sollte ist, auch bei großer Kälte, Wasser anzubieten. Gerade das Bad im Winter pflegt das Gefieder, das dadurch seine isolierenden Eigenschaften behält und bei kaltem Wetter das Überleben sichert. Vögel können zwar Schnee fressen, brauchen aber 12mal mehr Energie, um Schnee im Körper aufzuwärmen als kaltes Wasser. Diese Energie fehlt dem Vogel dann möglicherweise um eine klirrend kalte Winternacht zu überleben.
Das Vogelbad darf nicht zufrieren, man kann das Eis mehrmals am Tag mit warmem Wasser zum Schmelzen bringen. Niemals darf man Salz oder gar Frostschutzmittel verwenden, um das Gefrieren des Wassers zu verhindern.
Ein Biotop mit einer großzügigen Flachwasserzone ist eine wunderschöne und gute Alternative zum Vogelbad.

Naturnaher Garten
Wildblumenwiesen, Stauden, Hecken, Baum- und Gebüschgruppen aus einer Vielzahl an fruchttragenden Sträuchern, wie Weißdorn, Stechpalme, Liguster, Wildkirsche, Eberesche, Holunder, Feuerdorn, Mahonie, Efeu, Geißblatt, Zwergmispel, Berberitze, Cotoneaster, Eibe, Mistel, Stachel-, Johannis- und Brombeeren, Eiche, Ahorn, Weide, Birke, Rotbuche, Hainbuche, Hasel, Schlehe, Esche, Erle, Kiefer, Fichte und Lärche können mehr zum Schutz unserer heimischen Singvögel und nördlichen gefiederten Wintergäste beitragen als die beste und qualitativ hochwertigste Fütterung.
Oben genannte Wildsträucher darf man aber nicht zurechtschneiden, sonst tragen sie keine Früchte.
Auch Schuppen und alte Mauern sowie Holzstapel bieten nicht nur Nist- und Schlafplätze, sondern auch eine vielseitige Nahrungsquelle.