28.6.2017 Akuter Flauschalarm in der EGS: Turmfalkenbabys geschlüpft

Eier waren bei Fassadenrenovierung gerettet worden

Im Brutschrank geschlüpfte Turmfalken Babies. © VIER PFOTEN
Die kleinen Turmfalken vor der Übergabe an die Ammeneltern. © VIER PFOTEN
Junge Greifvögel, wie diese jungen Turmfalken, sind immer hungrig. © VIER PFOTEN
 

Haringsee, 28. Juni 2017  Akuter Flauschalarm in der von VIER PFOTEN geführten Eulen- und Greifvogelstation (EGS) Haringsee: Vier kleine Turmfalken sind vor kurzem im stationseigenen Brutschrank geschlüpft. Die Eier kamen am 6. Juni in die EGS; sie waren aus ihrem Nest in einer Nische an einem Haus in Herrnbaumgarten bei Poysdorf/Niederösterreich entfernt worden, weil die Fassade des Hauses renoviert wird. 

Brigitte Kopetzky, Expertin von VIER PFOTEN, berichtet: „Die herzigen Kleinen wurden einige Tage von Hand gefüttert und sind jetzt schon im Nest eines Ammenpaares in einem Gehege, um Fehlprägung auf den Menschen auszuschließen.“ Die EGS ist europaweit die einzige Wildtierstation, die Ammeneltern der gleichen Tierart einsetzt, um Jungtiere aufzuziehen. Ziel ist es, die Jungtiere wieder in die Natur auszusetzen. „Das gilt selbstverständlich auch für unsere vier flauschigen Turmfalkenbabys“, sagt Kopetzky.

Genauso wie Baumschnitt und Heckenschneiden, ist die Renovierung von Häusern und generell von Bauwerken im Frühjahr oftmals fatal für die Tiere, die dort ihre Nester haben und Junge aufziehen. „Im aktuellen Fall haben die Tiere Glück gehabt, dass sie rechtzeitig entdeckt und so gerettet wurden“, so Kopetzky.

Turmfalken, die häufigste Falkenart Mitteleuropas, nutzen im Stadtgebiet vor allem Mauernischen hoher Gebäude als Brutplatz. Altbauten bieten durch ihre reich strukturierte Fassade verschiedenste Nistgelegenheiten. An modernen, glatten Hochhäusern können zumeist nur Balkone oder Fenstersimse zur Brut genutzt werden. Hier bieten für den Falken die abgegrenzten Bereiche von Blumentrögen, Blumenkisten oder größeren Töpfen scheinbaren Schutz und Sicherheit für ihr Gelege.

VIER PFOTEN Expertin Kopetzky rät: „Um die heranwachsenden Falken vor Absturz zu bewahren und die Verschmutzung der unter dem Nest liegenden Balkone in Grenzen zu halten, ist es zielführend, Nistkästen anzubringen.“ Eine Bauanleitung für einen solchen Nistkasten findet man auf der EGS Homepage:
http://www.eulen-greifvogelstation.at/wissen/hilfe-und-unterstuetzung-fuer-wildtiere/nistkaesten-bauen

In der von VIER PFOTEN geführten Eulen- und Greifvogelstation Haringsee konnte im Jahr 2016 1.431 Tieren geholfen werden. Alle jungen Eulen und Greifvögel wurden, wenn möglich, durch Ammeneltern der gleichen Art großgezogen und zu 90% wieder freigelassen. Die EGS ist die einzige Pflegestation, in der Jungvogelfindlinge durch Ammen derselben Vogelart, also in einem natürlichen Familienverband, großgezogen werden können. Dadurch werden die schädlichen  Folgen einer Handaufzucht vermieden. Auch Sumpfschildkröten, Igel, Fledermäuse und andere Kleinsäuger wurden fachmännisch versorgt und, wenn möglich, wieder in die Natur entlassen.

Wenn Sie die Arbeit der EGS unterstützen möchten, dann können Sie hier spenden: www.eulen-greifvogelstation.at/spenden