25.10.2016 Sperbermännchen „Flash“ krachte in Scheibe eines Wartehäuschens

Tier wird in der EGS Haringsee gepflegt und kann bald wieder freigelassen werden

Männlicher Sperber mit Gehirnerschütterung
© VIER PFOTEN
Der Sperber ist am Weg der Besserung
© VIER PFOTEN

Wien/Haringsee, 25. Oktober 2016

Für Sperbermännchen „Flash“ war die Polizei in Wien/Oberlaa letzte Woche der sprichwörtliche  Freund und Helfer: Der Vogel hatte vermutlich bei einer rasanten Jagd die Scheibe des Wartehäuschens einer Busstation übersehen und war voll in sie hineingekracht. Ein engagierter Polizist brachte den Bruchpiloten auf die Veterinärmedizinische Universität, wo eine Gehirnerschütterung diagnostiziert wurde. Seit einigen Tagen erholt  sich „Flash“ nun in der von VIER PFOTEN geführten Eulen- und Greifvogelstation Haringsee (EGS).

Den Namen „Flash“ erhielt der Sperber vom VIER PFOTEN Team in der EGS. „Er erholt sich wirklich gut, und wir werden Flash schon diese Woche wieder freilassen können“, freut sich VIER PFOTEN Vogelexpertin Brigitte Kopetzky.

Leider sterben viel zu viele Tiere durch den Anprall an gläsernen Fronten, so Kopetzky: „Vögel haben zwar hervorragende Augen, können aber durchsichtiges Glas nicht als Hindernis erkennen. Aber auch Spiegelungen täuschen den Vögeln attraktive Ziele wie z.B. Bäume vor und werden dadurch angeflogen.“ Die EGS Haringsee hat auf ihrer Homepage Tipps, wie man dem Scheibenanflug von Vögeln vorbeugen kann: http://www.eulen-greifvogelstation.at/wissen/vogelanprall-an-glasflaechen/

Bei Sperbern sind die männlichen Tiere um einiges kleiner als die Weibchen. Der Sperber ist an Waldgebiete bestens angepasst, er bewohnt daher bevorzugt gegliederte und deckungsreiche Waldlandschaften, die mit freien Jagdflächen abwechseln. Er besiedelt seit Jahren auch immer häufiger Stadtrandgebiete, Vorgärten, Friedhöfe, selbst Stadtgebiet, sofern genügend Baumbestand vorhanden ist.

Die Jagdmethode des Sperbers besteht darin, aus der Deckung heraus anzugreifen. Er taucht plötzlich auf und versucht, die ahnungslose Beute zu überrumpeln. Bei solch schnellen Jagdflügen verunglücken viele Sperber an Drähten und Fensterscheiben – wie es wahrscheinlich auch dem armen „Flash“ passierte.

Die von Sperbern gejagten Kleinvögel haben ihr Verhalten über Millionen Jahre auf ihren Fressfeind eingestellt und können ihm sehr oft entkommen. Nur rund 11% aller Jagdflüge sind erfolgreich. Der Sperber ist als eine Art "Gesundheitspolizei" zu sehen, der kranke und schwache Tiere von ihren Leiden erlöst.

In der von VIER PFOTEN geführten Eulen- und Greifvogelstation Haringsee konnte heuer schon über 1.200 Tieren geholfen werden, darunter mehr als 800 Wildvögel, wobei davon ca. die Hälfte Jungvögel waren. Alle jungen Eulen und Greifvögel wurden, wenn möglich, durch Ammeneltern der gleichen Art großgezogen und zu 90% wieder freigelassen. Die EGS ist die einzige Pflegestation, in der Jungvogelfindlinge durch Ammen derselben Vogelart, also in einem natürlichen Familienverband, großgezogen werden können. Dadurch werden die schädlichen  Folgen einer Handaufzucht vermieden. Auch Sumpfschildkröten, Igel, Fledermäuse und andere Kleinsäuger wurden fachmännisch versorgt und, wenn möglich, wieder in die Natur entlassen.

Wenn Sie die Arbeit der EGS unterstützen möchten, dann können Sie hier spenden: http://www.eulen-greifvogelstation.at/spenden/

Mehr Informationen zur EGS finden Sie auf:
www.eulen-greifvogelstation.at   oder jeweils aktuell auf
https://www.facebook.com/eulengreifvogelstation/