13.5.2016 Waldkauz-Ästling in Ottakring gerettet

Nur in besonderen Fällen brauchen aufgefundene Jungvögel menschliche Hilfe

Waldkauz Ästling
©EGS/Stefan Knöpfer

Haringsee/Wien, 12. Mai 2016  Es war der erste Waldkauzästling, der in diesem Jahr in die von VIER PFOTEN geführte Eulen- und Greifvogelstation Haringsee (EGS) kam, und er wurde Bobby genannt. Ästlinge sind Jungvögel, die bereits ihre ersten Schritte aus den Nestern wagen, dabei manchmal auf Bäumen oder Sträuchern sitzen und bei ihren Kletterversuchen schon mal auf den Boden fallen. Sie werden in allen Fällen weiter von ihren Eltern versorgt. Für Bobby war die Situation jedoch gefährlich: Er wurde im 16. Bezirk auf der Straße gefunden. Zwar war er noch unverletzt, man musste ihn jedoch auf jeden Fall wegbringen.

Der kleine Waldkauz hat noch mal Glück gehabt, so VIER PFOTEN-Expertin Brigitte Kopetzky: „Die EGS-Mitarbeiter haben ihn gleich erfahrenen Waldkauz-Ammeneltern anvertraut, die für ihn sorgen und ihm alles für ein Leben in Freiheit beibringen werden.“ Nur mit der Methode der Ammenaufzucht ist gewährleistet, dass die junge Eule ohne Fehlprägung auf den Menschen aufgezogen wird und somit letztendlich wieder in die Natur entlassen werden kann.

Kopetzky betont, dass nicht jede junge Eule, die man findet, gerettet werden muss. „Eventuell kann man versuchen, den Jungvogel wieder auf einen Ast hinaufzusetzen. Kleinen Eulen gelingt es aber in der Regel selbst, wieder auf einen Baum hinaufzuklettern, während junge Singvögel von ihren Eltern unter dichte Hecken oder Büsche in Sicherheit gelotst werden.“

Ein Jungtier braucht nur menschliche Hilfe, wenn

  • die Mutter nachweislich verunglückt ist
  • das Jungtier sichtbar verletzt ist
  • das Jungtier an einer gefährlichen Stelle – zum Beispiel einer Straße - sitzt und es keine Möglichkeit  gibt, das Kleine an einen sicheren Ort in der Nähe zu setzen.
  • es sich um einen noch kleinen Nestling handelt, der sich außerhalb des Nests noch nicht bewegen kann.

Im Zweifelsfall empfiehlt VIER PFOTEN Mitarbeiterin Kopetzky, in einer Wildtierstation wie der EGS anzurufen: „Dort kann man die Situation dann richtig einschätzen.“

Weiterführende Infos finden Interessierte unter: www.eulen-greifvogelstation.at

In der von VIER PFOTEN geführten Eulen- und Greifvogelstation Haringsee konnte 2015 über 970 Tieren geholfen werden, darunter mehr als 800 Wildvögel, wobei davon ca. die Hälfte Jungvögel waren. Alle Jungtiere wurden, wenn möglich, durch Ammeneltern der gleichen Art großgezogen und zu 90% wieder freigelassen. Die EGS ist die einzige Pflegestation, in der Jungvogelfindlinge durch Ammen derselben Vogelart, also in einem natürlichen Familienverband, großgezogen werden können. Dadurch werden die schädlichen  Folgen einer Handaufzucht vermieden. Auch Igel, Fledermäuse und Sumpfschildkröten wurden fachmännisch versorgt und, wenn möglich, wieder in die Natur entlassen.

Mehr Informationen zur EGS finden Sie auf:

www.eulen-greifvogelstation.at  oder jeweils aktuell auf
https://www.facebook.com/eulengreifvogelstation/