Schleiereule

Schleiereule © EGS / Stefan Knöpfer

Körpermaße
Länge: 35-37 cm
Flügelspannweite: 90-98 cm
Gewicht: 290-370 g

Nahrung
Ernährt sich zu 97% von Wühlmäusen, echten Mäusen, Spitzmäusen, gelegentlich von Kleinvögeln und Fledermäusen.

Beschreibung
Sehr helle langbeinige Eulen mit herzförmigem Gesichtsschleier, ohne Federohren.
Unterseite ungefleckt weiß bis gelbbraun mit Tropfflecken.
Augen schwarz, relativ klein.
Weibchen bisweilen stärker und dichter gefleckt.

Fortpflanzung
Geschlechtsreife: < 1 Jahr
Brutzeit: Februar bis Oktober
Gelegegröße: je nach Nahrungsangebot 2-12  reinweiße, längliche, ovale Eier mit glanzloser Oberfläche.
Brutdauer: 31-32 Tage
Nestlingszeit: etwa 2 Monate

Lebensraum
Schleiereulen bevorzugen offene Niederungsgebiete, wie Tal und Beckenlagen mit schneearmen Wintern. Schneedecken von über 7cm beeinträchtigen ihr Jagdvermögen beträchtlich. In geeigneten Niederungsgebieten jagen sie an Wegen und Straßen, an Siedlungsrändern, auf offenen Feldflächen, in Feuchtgebieten und an Straßen- und Baudämmen.
Zur Brut benutzen sie auch störungsfreie, dunkle, leicht zugängliche Winkel an Siedlungsrändern, in Kirchtürmen, in Scheunen oder einzelstehenden Gebäuden.
Schleiereulen stammen ursprünglich aus felsigen Regionen, die Brut und Schlafplätze ihrer Vorfahren lagen in Klüften, Felsspalten und Erdspalten. Ihre helle gelbbraune, manchmal auch gänzlich weiße Unterseite verrät, dass diese Eulenart kein Waldbewohner ist.

Name
Die Schleiereule besitzt viele Namen. Neben Schleiereule auch „Herzeule“ aufgrund ihres herzförmigen Gesichtsschleiers; „Kircheneule“ wird sie in vielen deutschen und niederländischen Dialekten genannt, da sie seit Jahrhunderten bevorzugt in Kirchtürmen brütet. „Scheuneneule“ (Barn Owl) wird sie in England genannt, da sie dort vor allem in Scheunen lebt. Der Name „Feuereule“ entspringt mittelalterlichem Aberglauben, der besagte, dass ein Haus Feuer fängt, wenn der Ruf der Schleiereule ertönt.
Aus solch abergläubischen Gründen wurden Schleiereulen, wie auch Waldkäuze, zum Teil lebend an Scheunentore genagelt – um böse Geister und Hexen abzuwehren.

Pro Kirche ein Schleiereulenpaar?
Schleiereulen brüten im Einzugsgebiet menschlicher Siedlungen in erster Linie in Kirchtürmen, wo sie optimale Lebensbedingungen vorfinden und bis zu 95% aller Bruten aufgezogen werden.
Kirchtürme ziehen aber auch andere Bewohner an: Stadt- oder Straßentauben. Um das Innere der Türme sauber zu halten, wurde in den letzten Jahrzehnten fast jeder Kirchturm in Mitteleuropa vergittert, vernagelt und versperrt. So manche Schleiereule wurde bei diesem rücksichtlosen Vorgehen lebend begraben und verhungerte kläglich. Auf diese Weise verloren viele Eulenpaare ihre Brutplätze, der Bestand nahm regional stark ab oder erlosch gänzlich, da zusätzlich auch Scheunen und andere Ersatzplätze, ebenfalls zum Schutz vor Verschmutzungen oder aus Unverstand, verschlossen wurden.

Kulturfolger Schleiereule

Schleiereulen sind ausgesprochene Kulturfolger.
Menschen haben in den letzten Jahrtausenden Wälder gerodet und Wiesen- und Feldwirtschaften vorangetrieben. Da sich Schleiereulen fast ausschließlich von Kleinsäugern ernähren und diese in offenem, baumlosem Gelände erjagen, hat die Menschheit den Eulen einen idealen Jagdraum gestaltet.

Auf ehemalige fels- und steinbewohnende Tierarten wie z. B. Turm- und Wanderfalke, Felsentaube (= Stadt- oder Straßentaube), Steinmarder, Mauersegler und auch Schleiereulen üben menschliche Siedlungen eine ungeheure Anziehungskraft aus. Im menschlichen Einzugsgebiet ist der Tisch für einige der genannten Arten zumeist reich gedeckt, vor allem aber ersetzen Gebäude aller Art die Brutplätze und Verstecke der Felswände.
Im Gegensatz zu den wesentlich anpassungsfähigeren Steinmardern, Turmfalken oder gar Straßentauben ist es Schleiereulen aber durch ihre Spezialisierung auf Mäusenahrung nicht möglich sich in Städten niederzulassen.

Bauanleitung Nistkästen