Mäusebussard

Häufigster Greifvogel Europas

Mäusebussard © EGS / Stefan Knöpfer

Körpermaße
Länge: 51-56 cm
Flügelspannweite: 113-128 cm
Gewicht: 600-1150 g

Nahrung
Hauptsächlich Kleinnager, Vögel, Reptilien, Frösche, Insekten, Regenwürmer, Aas zwischen Oktober und Februar.
Wird oft an Straßenrändern in Bäumen oder auf Abgrenzungspflöcken sitzend beobachtet.

Beschreibung
Gedrungene Gestalt mit rundlichem Kopf und relativ kurzem, breitem und enggebändertem Schwanz (8-12 Querbänder).
Farbe sehr variabel von sehr hell bis dunkelbraun. Oberseite zumeist einfärbig dunkel, Unterseite hellbraun mit dunkler Quer- und Längszeichnung.
Fliegt plump, langsam mit schweren Flügelschlägen. Auffallend sind im Flug die breiten Flügel und die kurzen Schwanzfedern.
Schwanz immer eng gebändert, Spitzen der Handschwingen immer dunkel.
Füße gelb, Augen sehr variabel, braun über gelbbraun bis grau.

Fortpflanzung
Brutzeit: Ende März-Mai
Beide Partner bauen fast jedes Jahr ein neues Nest.
Gelege: 2-4 grauweiße Eier
Brutdauer: 33-38 Tage
Nestlingsdauer: 45-55 Tage
Junge sind nach weiteren 40-55 Tagen selbstständig.

Lebensraum
Bevorzugt nicht zu dichte Wälder, ist aber vom kleinen Feldgehölz bis zum Auwald anzutreffen.
Horste bevorzugt an Waldrändern, an Lichtungen oder in Einzelbäumen.
Offenes Gelände dient als Jagdgebiet.
Im Winter oft in vollkommen baum- und waldlosen Gegenden anzutreffen.

Giftopfer Mäusebussard
Durch seine Anpassungsfähigkeit kann der Mäusebussard eine Vielzahl von Nahrungsmöglichkeiten erschließen und nutzen. Eine davon ist, vor allem im Winter, Aas. Zu Tode gekommene Kälte-, Schnee- und Krankheitsopfer, Straßenverkehrsopfer und Deponien mit Schlachtabfällen werden gerne besucht und genutzt.

In den letzten Jahren kam es in ganz Ostösterreich zu illegalen Vergiftungsaktionen. Hier wurden verschiedene Fleischköder mit einem in der ganzen EU verbotenem Insektenvertilgungsmittel - Carbofuran - bestreut und auf Wegrändern und Feldern vor allem gegen Marder, Füchse, Dachse, Hunde, Katzen, Greif- und Krähenvögel illegal ausgelegt.

Säugetiere beginnen nach ca. 10 Minuten Symptome in Form von Erbrechen, Atembeschwerden, Tränen- und Speichelfluss zu zeigen. Wird nichts unternommen, z. B. Atropin und/oder Tierkohle verabreicht, stirbt das Tier nach kurzer Zeit einen grausamen Erstickungstod.

Bei Greifvögeln wirkt das Gift ebenso fürchterlich. Wird ein mit Cabofuran bestreuter Köder aufgenommen, stirbt der Vogel unter furchtbaren Krämpfen, hilflos herumflatternd, oft hält er noch den Köder im Fang oder im Schnabel fest.

Geschichten von tot an Ästen hängenden Mäusebussarden gehören leider nicht in die Welt der Fabel, sondern wurden tatsächlich beobachtet.

Mäusebussarde und die EULEN- UND GREIFVOGELSTATION Haringsee
Einer der häufigsten Patienten bzw. Dauerpatienten in Haringsee ist der Mäusebussard. Fast alle unserer Pfleglinge sind Straßenverkehrsopfer.

In der industrialisierten Landwirtschaft bleiben dem Jäger Mäusebussard, der von Sitzwarten aus Kleinnagern nachstellt, nur die Abgrenzungspflöcke von Landstraßen oder Alleebäume als Sitzgelegenheit. Wiesenränder von Feldern und Böschungen an Straßenzügen bieten Mäusen einen optimalen Lebensraum. Eine Vielzahl an Bussarden, aber auch Turmfalken, fallen hier dem menschlichen Verkehrsaufkommen zum Opfer.

Viele invalide Bussarde leben in Haringsee und unterstützen unsere Arbeit erfolgreich als Ammeneltern bei der Aufzucht von Bussard-Jungvogelfindlingen.

Zu viele Mäusebussarde?
Vor allem im Winter neigen Mäusebussarde dazu, in größeren Ansammlungen auf Feldern und Wiesen nach Mäusen zu suchen oder ihnen an Straßenrändern aufzulauern. Dabei handelt es sich nicht um eine zu große Population, die reguliert und reduziert werden muss, sondern um die Bewohner eines größeren Gebietes. Dieses Zusammenrotten von Bussarden in guten Jagdgebieten, an Wiesenrändern von Feldern und Straßen, vermittelt ein völlig falsches Bild der Größe unserer Mäusebussard-Population.

Auch können sich skandinavische Mäusebussarde als Zugvögel - unsere heimischen sind ortstreu - im wärmeren Österreich einfinden und den inländischen Bestand vorübergehend erhöhen.

Bussarde sind in ihrem Bestand vom Feldmausangebot und auch von der Witterung abhängig, ihre Population reguliert sich daher selbst, ein menschliches Eingreifen ist vollkommen überflüssig.

Bussarde helfen Biobauern
In der biologischen Landwirtschaft helfen künstliche Sitzgelegenheiten für Bussarde auf Feldern bei der giftlosen Mäusebekämpfung.